Presse Auswahl

Süddeutsche Zeitung München

»Oh du fröhliche« Das Henschel-Quartett mit den Tölzer Sängerknaben

»Schade, dass das Prinzregententheater nur mäßig besetzt ist. Denn die Weihnachtsgala zugunsten des Vereins SOS-Kinderdorf mit dem Henschel-Quartett, der Cembalistin Marga Scheurich-Henschel, dem Kontrabassisten Frank Reinecke und dem Tölzer Knabenchor ist ein tolles Weihnachtskonzert. Festlich, aber nie kitschig. Dazu, Überzuckerung zu vermeiden, tragen erst einmal die Instrumentalisten bei. Sie bringen bei Bachs Air aus der Ouvertüre in D-Dur, BWV 1068, eine schlicht gefasste Innigkeit zum Ausdruck und interpretieren den berühmten Pachelbel-Kanon, das Allegro con spirito aus Haydns G-Dur-Quartett op. 76 Nr. 1 oder das Allegro aus Mozarts A-Dur-Quartett KV 464 prägnant. So werden die musikalischen Gesten deutlich erkennbar, darf bei Corellis »Weihnachtskonzert«, dem Concerto Grosso in g-Moll, op. 6 Nr. 8, durchaus auch eine gewisse klangliche Herbheit entstehen. Das ist schön und überzeugend.

Auch die Texte, die die Schauspielerin Carolin Fink mit Nachdruck rezitiert, wirken keineswegs versonnen. Theodor Storms »Knecht Ruprecht« taugt in Finks Vortrag glatt zum Thriller, und Marie Luise Kaschnitz« »Was war das für ein Fest« zeichnet ein sehr starkes Bild von der Gefahr, in der modernen Zeit den Wert eines Familienfests zu vergessen. Fast tröstlich wirkt dagegen die unbeschwerte Frische, mit der der Tölzer Knabenchor seine Weihnachtslieder und Choräle singt. Chorleiter Ralf Ludewig gibt dabei ungemein starke dynamische Kontraste vor, Begleiter Clemens Haudum ergänzt die Chorsätze mit dem Akkordeon um hübsche, pastellige Farben. Und dennoch erzählt der Chor mit Esprit dankenswerterweise weit mehr von kindlich-stürmischer Vorfreude denn von ruhiger Besinnlichkeit. »Jauchze laut, Jerusalem!«, heißt es in Händels »Tochter Zion«. Selten wird dieser Text gesanglich so wörtlich umgesetzt. Großartig.

ANDREAS PERNPEINTNER, 24.12.2009

Rheinische Post

»Alle schönen Weiber« für Haydn

Eine ganz besondere Ehrung für den vor 200 Jahren verstorbenen Komponisten Joseph Haydn, die jüngst in der gut gefüllten Viersener Festhalle zu erleben war, hat sich die »Kammeroper München« ausgedacht: mit ihrer Wunschbesetzung, Michael Mendl als Joseph Haydn und Carolin Fink als dessen zänkische Ehefrau wie auch in der Rolle der diversen Geliebten des Komponisten, boten die Münchener einen kurzweiligen Abend.

Alexander Krampe, Verfasser dieser Collage, berichtete teils in blitzlichtartigen, teils umfangreicheren Darstellungen von den wichtigsten Stationen eines langen Lebens: Das älteste von 12 Kindern erwarb sich mit Fleiß und Stetigkeit in fast 20 Jahren als Kapellmeister beim Fürsten Esterházy bescheidenen Wohlstand. Nach zwei daran anschließenden Englandreisen war der Tonsetzer selbst überrascht über seinen auch pekuniär niederschlagenden Bekanntheitsgrad.

Regisseur Dominik Wilgenbus teilte sich die lebendig gestaltete Erzählerrolle mit dem den zeitgenössischen Bildern Haydns nicht unähnlichen Michael Mendl. Der bekannte Charakterdarsteller steigerte sich mit unnachahmlicher Wandlungsfähigkeit in seine Rolle, irgendwann »war« er Haydn. Carolin Fink gab ebenso glaubhaft die spröde und amusikalische Maria Anna wie die stürmische Luigia Polcelli, die zurückhaltende Marianne von Genzinger und die ihn betörende »Klavierschülerin« Rebecca Schröter, die er nach eigenen Worten geheiratet hätte, wäre er nicht gebunden gewesen. Ein wenig makaber legte er sich zum Sterben auf seinen Flügel, was ihn nicht davon abhielt, noch mehrmals zu rufen: »Und grüßt mir alle schönen Weiber«. Im Hintergrund der nur mit einem von großen Notenblättern bedeckten Flügel und zwei großen Koffern bestückten Bühne hatte das Orchester der Kammeroper Platz genommen. Die zehn erlesenen Streicher und Bläser ergänzten die Texte mit delikaten Häppchen aus Haydns Werken, vornehmlich aus Streichquartetten, als deren Schöpfer der emsige Tonsetzer gilt.

Einigen Liedern des großen Komponisten lieh die anmutige Katja Stuber ihren bestens durchgebildeten, samtig getönten Sopran. Ovationen und Bravi dankten den Akteuren für diesen außergewöhnlichen Abend.

HEIDE OEHMEN, 18.09.2008